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      <description>Wohnzimmer WM
Sch&amp;auml;ferstr. 24

20357 Hamburg

Tel: 040-41466600
mobil: 0178-7103609


Projektleitung, Presse/&amp;Ouml;ffentlichkeitsarbeit/Redaktion
Peter Sch&amp;uuml;tz

Assistenz:
Till Schaper

Konzeption:
Matthias Weber, Jens Wille

Internetauftritt:
Michael Pletziger, Martin Kleppe

Videocast:
Mirko Kubein

Idee:
Mathias &quot;Marzahn&quot; Kl&amp;ouml;pfel
Ole Behrens

Danke: 
Cornelius Kirfel, Hans und Clemens Gerth, Bettina Saffran

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Quelle: Disclaimer von eRecht24.de dem Informationsportal zum Internetrecht</description>
      <dc:publisher>typolis: Wohnzimmer WM</dc:publisher>
      <dc:creator>mikk (mailto:&amp;#109;&amp;#105;&amp;#107;&amp;#107;&amp;#64;&amp;#115;&amp;#117;&amp;#109;&amp;#97;&amp;#97;&amp;#116;&amp;#111;&amp;#46;&amp;#110;&amp;#101;&amp;#116;)</dc:creator>
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      <title>Veddel, 9. Juli, Finale</title> 
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      <description>Italien - Frankreich 1:1 (1:1, 1:1) n. V. 4:2 i.E. 

Zum letzten Mal flogen die schlecht schlie&amp;szlig;enden T&amp;uuml;ren unseres Sprinters vor der Abfahrt zu einer Wohnzimmer-Station mit einem lauten Knall zu und in einem kurzen Moment der Besinnung zwischen Anschnallen und Bet&amp;auml;tigen des Z&amp;uuml;ndschl&amp;uuml;ssels  schwankte ich zwischen Erleichterung und Melancholie. Der letzte Spieltag lag vor uns und gleichzeitig der letzte Tag vor der fu&amp;szlig;balllosen Zeit. Noch konnte ich nicht sagen, welches Gef&amp;uuml;hl in mir &amp;uuml;berwog. Warten wir es ab. Zum letzten Mal &amp;auml;rgerte ich mich &amp;uuml;ber die schlecht schlie&amp;szlig;enden T&amp;uuml;ren und das nicht funktionierende Radio, das seit dem ersten Tag keinen Laut von sich gegeben hatte.
An den blauen Himmel der letzten Tage hatten sich ein paar Wolken geschlichen, eine gewisse Regenwahrscheinlichkeit lie&amp;szlig; sich nicht abstreiten, aber wen interessierte das noch. Heute galt es nur noch darauf zu achten, dass das Spiel eine Stunde fr&amp;uuml;her, also um 8 Uhr angepfiffen wurde.
Ein letztes Mal bauten wir unser Wohnzimmer auf. Auf der einen Seite der braune Leder-Zweisitzer und das blaue Stoffsofa, das wir vom Boden einer Studentin aus Barmbek geholt hatten. ?Die hat so eine nette Stimme, da m&amp;uuml;ssen wir unbedingt hin?, meinte Till flehend. Ich sagte: ?Wir fahren jetzt wegen eines Sofas durch die halbe Stadt, oder was?? ? ?Ich habe das jetzt zugesagt. Das k&amp;ouml;nnen wir nicht machen.? Ich erkannte die Ambitionen und niederen Instinkte von Till und war widerwillig einverstanden. Was soll`s. Immerhin war das Sofa kostenlos. 
Das braune Ledersofa hatten wir aus einem Kleinm&amp;ouml;bellager in der Stresemannstra&amp;szlig;e geliehen. Dort war &amp;uuml;brigens auch die Stehlampe her, die bei unserem ersten Einsatz in M&amp;uuml;mmelmannsberg beim legend&amp;auml;ren ?Antennensturz? (siehe Tagebuch M&amp;uuml;mmelmannsberg) sofort get&amp;ouml;tet worden war. Hoffentlich erinnerte sich niemand an diese Lampe.
Zwischen den beiden Sofas stand immer einer von zwei braun/gr&amp;uuml;nen Polstersesseln, die wir im ?Stilbruch?, einem Laden f&amp;uuml;r betagte M&amp;ouml;bel aufgetan hatten. Zugegeben, ein Fehlkauf: die Dinger waren klobig, schwer und unhandlich, aber man sa&amp;szlig; halbwegs bequem darin.
Auf der anderen dann unser gr&amp;ouml;&amp;szlig;tes Vorkommnis. Eine sch&amp;auml;tzungsweise 6 Tonnen schwere Ledercouch, die schon schwere Schicksalsschl&amp;auml;ge hinter sich haben musste, wie diverse Narben, Flecken und Absch&amp;uuml;rfungen verrieten. Wir hatten sie geschenkt bekommen, samt einen passenden Sessel von unserem B&amp;uuml;ronachbarn Christoph, der froh war, das Ensemble los zu sein. Ebenso froh waren wir, als unsere Freunde vom Caf&amp;eacute; Unmut es &amp;uuml;bernahmen. Nein, diese M&amp;ouml;bel wollte ich nie wieder anfassen.
Ich erinnerte mich an eine Begebenheit in der M&amp;uuml;nzburg. Da erschien eine Gruppe dreier M&amp;auml;dchen in einem schon &amp;uuml;berf&amp;uuml;llten Wohnzimmer. Als aufmerksamer Gastgeber sprang ich sofort auf und bot ihnen einen Platz. Eine von ihnen schaute sich um und rief: ?Hey, das Sofa kenne ich doch. Das geh&amp;ouml;rt doch dem Christoph. Da habe ich schon mal drauf gepennt.? Ich schaute sie &amp;uuml;berrascht an. Wie konnte man auf diesem Sofa eine Nacht verbringen? Wie kam sie dahin? Und was ist in dieser Nacht passiert? Diskret behielt ich meine Fragen f&amp;uuml;r mich. Schon verr&amp;uuml;ckt diese WM, da stehen vermutlich tausende anonymer Sofas in dieser Stadt, die von Fu&amp;szlig;ballfans belagert werden und hier trafen sich in einem versteckt gelegenen Hinterhof in St. Georg zwei alte Bekannte wieder: M&amp;ouml;bel und Mensch. 
Dazwischen unser schon beschriebener Gr&amp;uuml;ner Teppich, der aussah wie ein Kunstrasen, der &amp;uuml;berraschend gewachsen ist. Seine langen Haare wehten im leichten Sommerwind. Darauf unsere beiden Fernseher, gesch&amp;uuml;tzt durch einen gro&amp;szlig;en Sonnenschirm, &amp;uuml;ber dessen Funktion es geteilte Meinungen gab. Ich fand, dass sie f&amp;uuml;r eine gewisse Gem&amp;uuml;tlichkeit sorgten, andere meinten, sie beeintr&amp;auml;chtigten den Blick gen Himmel. Waren das religi&amp;ouml;se Einw&amp;auml;nde? Hatten wir wegen der Schirme gegen Italien verloren? Fakt war, dass sie des &amp;Ouml;fteren vom Wind umgerissen wurden. Unberechenbar ging von ihnen immer eine gewisse Gefahr aus.
Komplett wurde unser Wohnzimmer durch unsere Bar. Wir hatten jetzt einen vom Caf&amp;eacute; geliehenen W&amp;uuml;rfel, der durch aufgeklebte Holztapete versch&amp;ouml;nert wurde.
Auch heute gab es wieder zwei Konkurrenzbars, aber wir hatten uns arrangiert.

&amp;Uuml;ber den Besuch konnten wir auch heute an diesem letzten Tag nicht meckern. Also beste Bedingungen am Finaltag. Wenige Minuten sp&amp;auml;ter tauchten zwei Polizisten auf. Sie berichteten von einer Premiere bei dieser Wohnzimmer WM: ein Anwohner hatte sich beschwert. Die Leute vom Caf&amp;eacute; Unmut verdrehen die Augen. ?Ja, dieser Typ ist wirklich ein Problem. Der beschwert sich immer.? Auch die Polizisten reagieren eher mitleidig. ?Wir gehen mal kurz hoch und kl&amp;auml;ren das. Machen sie erst mal weiter.? Sie verschwanden im Hauseingang, da gab es einem Knall auf dem Sofa gegen&amp;uuml;ber. Ich sah zehn Leute synchron das T-Shirt &amp;uuml;ber die Nase ziehen. Eine Stinkbombe war hochgegangen. Also eher ein Stinkknaller. Ich schnappe die beiden Schuldigen und schmei&amp;szlig;e sie raus. Die Jungs kommen dann nur noch einmal wieder, um mir meinen Fu&amp;szlig;ball zu klauen. 

20:00
Ansto&amp;szlig; Finale der Weltmeisterschaft 2006 Italien ? Frankreich. Ein historischer Moment, den ich damit verbringe, ein paar Flaschen Astra ins Eisfach zu legen. Also, dieser K&amp;uuml;hlschrank hier ist nicht unbedingt eine Bereicherung.

Ein weiterer Umstand lie&amp;szlig; diesen Abend hier zu einer Nervenprobe werden. Ein Dokumentarfilmer aus Leipzig war angereist und bereicherte sich mit Aufnahmen von Stimmungen w&amp;auml;hrend des WM-Finales. Am Ende sollten diese Bilder mit denen von 42 weiteren Orten einen Film ergeben. Beim sp&amp;auml;teren Betrachten seiner Bilder im Schnittraum w&amp;uuml;rde er sicher auch erkennen, dass sich recht bald eine erregte Front gegen den Filmer gebildet hatte. ?Sag mal, habt ihr den eingeladen??, fragte mich ein junger Mann mit kurzem Haar, der mit seiner Freundin gekommen war. Ich tat ahnungslos. Ich hatte keine Lust auf lange Erkl&amp;auml;rungen. Mein Nebenmann wurde ebenfalls nerv&amp;ouml;s- ?Du, ich habe keinen Bock, dass die mich hier filmen.? Auch das war neu. Bisher hatte sich keiner &amp;uuml;ber ein paar Aufnahmen aufgeregt. Ich dachte an Mirko, der mit seiner miniDV ja auch gleich erscheinen w&amp;uuml;rde. Er war noch f&amp;uuml;r ein paar Impressionen in Veddel unterwegs. Wenigstens gab es Entwarnung von der Polizei. ?Wir haben jetzt mit ihm gesprochen. Er hat heute seine kranke Mutter aus der Klinik geholt und so weiter und so fort. Sehen sie bitte zu, dass sie nach dem Spiel nicht mehr so lange machen.? Zu Befehl.
Der Filmemacher provozierte aber auch den Unmut. Fast aggressiv war seine Kamerahaltung. Er hielt sie &amp;uuml;ber den Kopf wie eine Axt, die gerade einen besonders dicken Scheit zerschlagen muss. ?Sag mal, h&amp;ouml;rt das bald auf?? ? ?Was will der jetzt?? ? ?Ich habe da einfach keinen Bock drauf.? usw. Und dann bezog auch noch Mirko Stellung mit seiner kleinen Kamera. Ich zog schon mal die Schultern an. Gleich geht?s wieder los. ?Ey, jetzt reichts. Wie viele kommen da noch.? ? ?Ist nur f&amp;uuml;r unsere Internetseite.? ? ?Hey, das ist doch Schei&amp;szlig;.? Ich reagierte nicht mehr. Das erboste P&amp;auml;rchen ging zu Halbzeit. Nein, sie rannten, sie fl&amp;uuml;chteten. Hatte da jemand was zu verbergen? 

20:07
Jawoll! Elfmeter f&amp;uuml;r Frankreich. Matterazzi, der noch zu einem der Hauptprotagonisten dieses Finales werden sollte, hatte Malouda den Fu&amp;szlig; weggezogen. Der stolze Zidane tritt h&amp;ouml;chstpers&amp;ouml;nlich an, kurzer Anlauf, Ball angelupft, Lattenunterkante, Tor! 1:0 f&amp;uuml;r Frankreich. Beinahe alle jubeln. Ich auch. Meine Sympathien hat Frankreich, auch wenn das alles mir nicht so wichtig ist.
Frankreich jetzt bissig. Die Italiener haben den Faden verloren, Frankreich beherrscht das Geschehen.
Doch dann Materazzi Teil 2. Wie aus dem nichts springt der Italiener nach Pirlo-Flanke hoch, gewinnt gegen Viera das Kopfballduell und vollendet zum 1:1.
Jetzt sahen wir unter den Augen des Leipziger Dokumentarfilmers und seiner Kamera ein munteres Spiel. Die Italiener waren wieder st&amp;auml;rker geworden und nahe am 2:1.

20:45
Halbzeit. Ich hatte ein paar Tropfen abbekommen und war nicht der Einzige, dem es so ging. Der Himmel hatte sich gespenstig zugezogen und drohte mit einem Regenguss. Welche Panikmache!, dachte ich, als pl&amp;ouml;tzlich beinahe alle ins Innere des Caf&amp;eacute; stolperten, nur um dort noch einen trockenen Platz zu erhaschen. In der Tat hatte es jetzt richtig angefangen zu regnen. Unschl&amp;uuml;ssig standen wir unter einem der beiden Sonnenschirme. Sollten wir jetzt abbauen, w&amp;auml;re das ein unr&amp;uuml;hmlicher Abschied. Sollten wir unsere Bar aufgeben. Niemals! Wir blieben standhaft. Einige Mutige waren sitzen geblieben in den regennassen Sofas und wurden mit dem Ende des Regens p&amp;uuml;nktlich zur zweiten Halbzeit belohnt. Sie hatten immer wieder gerufen: ?Nicht abbauen. Wir bleiben drau&amp;szlig;en. Das h&amp;ouml;rt gleich auf.? Wie Recht sie hatten. Sollten sich doch alle da drinnen vor der Leinwand dr&amp;auml;ngeln (unter anderem mittlerweile auch der abtr&amp;uuml;nnige Praktikant Till), wir blieben standhaft und hatten Platz und freien Blick.

21:00
Ein kleines H&amp;auml;ufchen vor den Fenstern des &amp;uuml;berf&amp;uuml;llten Caf&amp;eacute;s sah den Ansto&amp;szlig; zur zweiten Halbzeit. Die Franzosen jetzt wieder besser. Vor allem Thierry Henry ragte heraus. Er nahm es im Minutentakt mit der gesamten Hintermannschaft der Italiener auf. 

21:15
Na, wer sagt`s denn! Pl&amp;ouml;tzlich st&amp;uuml;rmt eine Traube von Menschen aus dem Caf&amp;eacute;. ?Was ist denn jetzt los?? ? ?Der Beamer ist ausgefallen.? Ha, wenn das keine Best&amp;auml;tigung f&amp;uuml;r unser Durchhalten war. Jetzt kamen sie wieder, schleppten in vollendeter Hektik die M&amp;ouml;bel nach drau&amp;szlig;en und lernten unsere Fernseher wieder zu sch&amp;auml;tzen. Nur Till blieb komischerweise immer noch drinnen. Hatte er schon mit dem Projekt abgeschlossen?

21:30
Eine Viertelstunde noch. Der Beamer ging wieder, aber alle blieben jetzt sitzen. Auf dem Spielfeld passierte nicht mehr viel. Die Italiener waren bei weitem nicht so souver&amp;auml;n wie in den Spielen gegen Deutschland oder die Ukraine. Alles deutete auf eine Verl&amp;auml;ngerung hin. Ball im Aus. Ich gehe erst einmal aufs Klo. Als ich das Caf&amp;eacute; durchschreite sehe ich Till und, ach so, das ist der Grund, warum er sich drau&amp;szlig;en nicht mehr sehen l&amp;auml;sst. Links neben ihm im Liegestuhl: ein zartes M&amp;auml;dchen mit Pony und schwarzen Haaren. Da hatte er sich klammheimlich daneben gepflanzt. Es sei ihm geg&amp;ouml;nnt, auch wenn das an seinem Hochverratsvergehen nichts &amp;auml;ndert.

22:45
Abpfiff. Verl&amp;auml;ngerung.
Jetzt kam doch ein wenig Adrenalin ins Spiel. Die Franzosen machten Druck. Domenech, der franz&amp;ouml;sische Trainer brachte Trezeguet, der viel zu selten spielen durfte. In der letzten Verl&amp;auml;ngerung seiner Karriere hatte Zinedine Zidane zwei herausragende Szenen: in der 103. Minute kam er nach Flanke von Sagnol v&amp;ouml;llig frei zum Kopfball.
7 Minuten sp&amp;auml;ter dann die Geburt einer Legende, eines Mythos. &amp;Auml;hnlich dem Wembley-Tor oder dem H&amp;uuml;hnerfang von Sepp Maier oder dem aufgerissenen Oberschenkel von Ewald Lienen, dem Sparwasser-Tor, der Hand Gottes. Zidane &amp;uuml;berholt Materazzi von hinten, ist ein paar Meter vor ihm, h&amp;ouml;rt sich ein paar verbale Ausrutscher des Italieners an, um sich dann umzudrehen und ihm den Kopf vor die Brust zu sto&amp;szlig;en. Diese Szene wird ab sofort in keinem Fu&amp;szlig;ball-Geschichtsbuch fehlen. Um sie werden sich Spekulationen ranken wie das Efeu um das Goeth`sche Gartenhaus. Was hat Materazzi gesagt? Hat der Schiri was gesehen? Viel die Entscheidung erst, nachdem der vierte Schiedsrichter die Zeitlupe gesehen hat? War das die Geburtsstunde des Videobeweis? Was ging in Zidane vor? Hatte er solch einen Abgang geplant? Fragen &amp;uuml;ber Fragen. Mittlerweile wissen wir mehr dar&amp;uuml;ber. Mir war sofort klar, dass die Aussagen Materazzis irgendwie die Familie Zidanes betreffen mussten. Aber trotzdem solch eine Aktion: v&amp;ouml;llig &amp;uuml;berfl&amp;uuml;ssig. Sollte Materazzi wirklich gesagt haben ?Deine Mutter ist eine terroristische Hure.? dann geh&amp;ouml;rt er daf&amp;uuml;r ausgelacht. Ich erinnerte mich an meine Zeit in der Kreisliga. Was man da zu h&amp;ouml;ren bekam war ungleich h&amp;auml;rter. Wenn ich da immer gleich zugeschlagen h&amp;auml;tte? Aber ich stand ja auch nicht in einem WM-Finale in der 110. Minute. Ich stand &amp;uuml;berhaupt erst einmal in einer Verl&amp;auml;ngerung, im Kreispokal gegen Jena-Zw&amp;auml;tzen 4. Mannschaft. Wir verloren 4:7 und hatten doch bis zur 90. Minute 4:3 gef&amp;uuml;hrt. Doch dann fing unser Torwart einen Querschl&amp;auml;ger vom eigenen Mann. Freisto&amp;szlig; im Strafraum. Damals war gerade frisch die R&amp;uuml;ckpassregel eingef&amp;uuml;hrt worden. Heute w&amp;uuml;rde so etwas keiner mehr pfeifen. Komisch, was einem alles in einer Minute, in dieser 110. Minute durch den Kopf gehen kann.

22:25
Abpfiff der Verl&amp;auml;ngerung. Elfmeterschie&amp;szlig;en. Die Franzosen waren nat&amp;uuml;rlich geschockt. Alles dachte nur an diese Aktion von Zidane. Sollte Frankreich jetzt auch noch das Elfmeterschie&amp;szlig;en verlieren, dann w&amp;uuml;rde die Karriere des franz&amp;ouml;sischen Kapit&amp;auml;ns f&amp;uuml;r immer &amp;uuml;berschattet werden von dieser Roten Karte.
Und die Italiener gewinnen. Ausgerechnet Trezeguet verschie&amp;szlig;t, der sowieso eine frustrierende WM hinter sich hat. Italien ist Weltmeister.
Diese Tatsache wird im Wohnzimmer gefasst aufgenommen. Nach meinen Sch&amp;auml;tzungen h&amp;auml;tten wohl rund 90% der Leute hier den Franzosen den Sieg geg&amp;ouml;nnt. Nun ist es anders gekommen. Kein Drama. 

Wir sind bereit, zum letzten Mal unsere Sachen zu packen. Zu unserem gro&amp;szlig;en Gl&amp;uuml;ck &amp;uuml;bernimmt das Caf&amp;eacute; Unmut alle unser M&amp;ouml;bel und sogar der miefige Teppich bleibt hier. Das ist doch mal eine gute Nachricht. Da m&amp;uuml;ssen wir nicht morgen durch die Gegend fahren, um m&amp;uuml;hsam den Sperrm&amp;uuml;ll loszukriegen. 
Der Sprinter f&amp;auml;hrt ohne das Wohnzimmer nach Hause. Wir brauchen es nicht mehr. Die WM 2006 ist zu Ende. Vielleicht kommen wir wieder. Vielleicht halten die &amp;Ouml;sterreicher und Schweizer die Sache im  Jahre 2008 auch f&amp;uuml;r eine gute Idee.

Danke an alle, die irgendwie beteiligt waren und unseren Weg verfolgt haben. Also jetzt hat doch die Wehmut gegen die Erleichterung gewonnen.

Bis zum n&amp;auml;chsten Mal

Peter Sch&amp;uuml;tz</description>
      <dc:publisher>typolis: Wohnzimmer WM</dc:publisher>
      <dc:creator>peter folk</dc:creator>
      <dc:subject>tagebuch</dc:subject>
      <dc:rights>Copyright &#169; 2006 peter folk</dc:rights>
      <dc:date>2006-07-18T16:39:56Z</dc:date>
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      <title>Steilshoop, 10. Juni 2006 &quot;K&amp;ouml;nnen wir KiKa gucken?&quot;</title> 
      <link>http://wohnzimmerwm.typolis.net/stories/4307/</link>
      <description>Fu&amp;szlig;ball-Weltmeisterschaft Tag 2: Steilshoop Schreyerring

Gruppe B
England - Paraguay 1:0
Schweden - Trinidad&amp;amp;Tobago 0:0

Gruppe C
Argentinien - Elfenbeink&amp;uuml;ste 2:1



Nach der aufreibenden Premiere in M&amp;uuml;mmelmannsberg gingen wir die zweite Station in Steilshoop etwas entspannter an. Diesmal campierten wir auch nicht auf einem &amp;ouml;ffentlichen Platz mit angrenzendem Billig-Bier-Kiosk, sondern in einem begr&amp;uuml;nten Innenhof, eingerahmt von frisch gestrichenen Achtgeschossern, die uns ein wenig vor der &quot;b&amp;ouml;sen&quot; Au&amp;szlig;enwelt besch&amp;uuml;tzten.  Hier drinnen, zwischen den bewohnten Mauern waren kleine H&amp;uuml;gel angelegt worden, Rasen ges&amp;auml;t, B&amp;auml;ume gepflanzt, Sport- und Spielpl&amp;auml;tze entstanden. Es gab sogar einen angrenzenden Kindergarten. Dort hatten drei Tage vorher 20 Kinder vor mir gestanden und b&amp;ouml;se mit dem Finger auf mich zeigend  &quot;Wer ist der Mann, was macht der hier?!&quot; gerufen. Ich hatte ihnen unsere Wohnzimmer WM Postkarten geschenkt. Danach war ich wieder ihr Kumpel. Doch keines der Kinder sollte sp&amp;auml;ter vorbei kommen. Damit wir uns nicht falsch verstehen: ich wollte keine hilflosen Kinder anwerben, sondern eigentlich den Kita-Chef um Strom anbetteln.
Die Sonne war unser Freund und unter dem Schatten spendenden Laub entstanden Urlaubsgef&amp;uuml;hle.

Diesmal begr&amp;uuml;&amp;szlig;ten uns auch keine polnischen Kampftrinker, sondern eine Gruppe von kleinen Kindern, die sich schon in die Sofas warfen, als wir sie noch im Schwei&amp;szlig;e unseres Angesichts zum Ort des Geschehens trugen. Wir lie&amp;szlig;en uns nichts anmerken, doch hinter der l&amp;auml;ssigen Fassade schmerzten die Knochen. 
Schnell erreichte uns die Erkenntnis, dass die Kinder Fernseher noch nicht zwangsl&amp;auml;ufig mit Fu&amp;szlig;ball WM in Verbindung brachten. &quot;Ich will KiKa sehen!&quot; &quot;Nein SuperRTL!&quot; Wir waren verwirrt. Wir waren doch die Wohnzimmer &quot;WM&quot; und nicht das mobile Kinderprogramm. Entt&amp;auml;uschen wollten wir die Kleinen, die auf Rollern, Fahrr&amp;auml;dern und sogar einem motorenbetriebenen Kindermofa anr&amp;uuml;ckten, auch nicht. Wir mussten auf die Bildsprache eines Franz Beckenbauer zur&amp;uuml;ckgreifen, um die Kinder vom Zauber des Fu&amp;szlig;ballspiels zu &amp;uuml;berzeugen. 
Die Aufmerksamkeit einmal vom Kinderprogramm abgelenkt, interessierten sich unsere kleinen Freunde nun daf&amp;uuml;r, den Transporter auszuladen. Ein 6j&amp;auml;hriger versuchte allein, ein Sofas aus dem Auto zu heben, was nat&amp;uuml;rlich scheiterte. Doch bald hatte sich eine Ameisenschlange gebildet, sogar die Kleinste (4) trug mit letzter Kraft eine wei&amp;szlig;e Sitzkiste ins Wohnzimmer. Absolut  r&amp;uuml;hrend. Die Eltern trauten sich noch nicht dazu. &quot;Meine Mama glaubt, das ist privat.&quot; Tja, wie k&amp;ouml;nnen wir unser Wohnzimmer noch einladender gestalten? Da m&amp;uuml;ssen noch L&amp;ouml;sungen her.

15:00 Das Wohnzimmer steht, der Anpfiff ert&amp;ouml;nt: England - Paraguay. Der gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Teil ist immer noch f&amp;uuml;r KiKa, der Rest f&amp;uuml;r England. Mir ist es irgendwie gleichg&amp;uuml;ltig. Zu England halte ich grunds&amp;auml;tzlich nicht, Paraguay ist mir egal, auch wenn dort Roque Santa Cruz spielt.
Die Engl&amp;auml;nder legen los wie die Feuerwehr, gehen 1:0 in F&amp;uuml;hrung und damit ist das Spiel eigentlich vorbei. Der Rest ist absolute Langeweile.
Ich wende mich ab, die drei Br&amp;uuml;der Dominik, Ricardo und Melvin gesellen sich dazu.

16:45 Abpfiff. Endlich. Ich muss g&amp;auml;hnen. Auf den Sofas gegen&amp;uuml;ber rumort es. Die drei Br&amp;uuml;der sind unentwegt am Zanken. Da wird nicht gro&amp;szlig; diskutiert, sondern erst mal geschlagen. Und zum ersten Mal denke ich wieder, irgendwas stimmt da nicht. 
Die Mutter ist hinzugetreten und folgt zun&amp;auml;chst wenig interessiert dem Geschehen.Ich k&amp;uuml;mmere mich derweil um den Grill. Bei dem sch&amp;ouml;nen Wetter m&amp;ouml;chten wir auf W&amp;uuml;rstchen nicht verzichten. Alles hier macht einen sehr idyllischen Eindruck. Wir werden sehr nett betreut vom Logenpf&amp;ouml;rtner, die B&amp;auml;ume spenden Schatten, das Wohnzimmer ist voll besetzt, ein paar Kinder spielen Fu&amp;szlig;ball. Ich atme befreit durch und schaue mich um. Die eben zu uns gesto&amp;szlig;ene Mutter packt ihren Mittleren an der Kehle und hebt ihn hoch, w&amp;auml;hrend sie auf ihn einschreit. Der Kleine r&amp;ouml;chelt und wedelt mit den Armen. Jetzt gibt es zwei M&amp;ouml;glichkeiten: den Jungen vor der Mutter sch&amp;uuml;tzen und die Sache vielleicht noch verschlimmern oder abwarten was passiert. Sie l&amp;auml;sst ihn wieder herunter, er weint ausgelassen. Die &amp;uuml;brigen Kinder feixen. Diese Szenarien scheinen absolute Gewohnheit zu sein. Wir schauen uns entsetzt an. Wir wollen jetzt doch nicht mehr die Eltern n&amp;auml;her kennenlernen.

18:00 Anpfiff  Trinidad&amp;amp;Tobago - Schweden. Das scheint eine klare Sache zu sein. Schweden hat hier bei der WM eine der besten Offensivabteilungen zu bieten: Larsson, Ibrahimovic und Ljungberg. Aber die zum Teil in unteren Ligen Europas spielenden &quot;Trinis&quot; werfen der spielerischen Perfektion ihre ganze Leidenschaft und Kampfkraft entgegen und erzwingen ein 0:0. Per sms meldet sich Matze schwedischer Kumpel Anders. Er war extra zum Spiel gefahren. Die Nachricht f&amp;auml;llt kurz und traurig aus. Auch das WM Wohnzimmer ist ein wenig entt&amp;auml;uscht. Die meisten h&amp;auml;tten den Skandinaviern den Sieg geg&amp;ouml;nnt. Nun werden sie also doch nur Zweiter und m&amp;uuml;ssen gegen Deutschland spielen.

20:00 Die Tagesschau l&amp;auml;uft. Die Blicke der Anderen sind nun Richtung Fu&amp;szlig;ballplatz gerichtet. Dort bietet sich ein eigenartiges Bild. Ricardo schreit herum und ist au&amp;szlig;er sich vor Wut. Er will ein feingliedriges M&amp;auml;dchen, das etwas zu fr&amp;uuml;h in die H&amp;ouml;he geschossen scheint, scheinbar einen Kopf kleiner machen. Seine K&amp;ouml;rpersprache l&amp;auml;sst schlimmes ahnen. F&amp;uuml;nf, sechs Kinder werfen sich sch&amp;uuml;tzend in den Weg. Aufgweckt vom Geschehen eilt nun auch der gro&amp;szlig;e Bruder hinzu und nimmt Ricardo in einen schmerzhaften Klammergriff. Doch der ist adrenalingeladen und sp&amp;uuml;rt keinen Schmerz. Er rei&amp;szlig;t sich immer wieder los und will sich mit den Worten &quot;Schlampe!&quot; auf das d&amp;uuml;nne M&amp;auml;dchen werfen. Es wird ihm nicht gelingen, denn die Freundin des gro&amp;szlig;en Bruders scheint sich mit Judogriffen gut auszukennen und ringt den Amokl&amp;auml;ufer nieder, dessen Muskulatur sich durch den Wutanfall so verfestigt hat, dass er sich auf dem Boden liegend nicht mehr bewegen kann. Ich habe einen Klo&amp;szlig; im Hals. Die Mutter bleibt unbeeindruckt sitzen. &quot;Unser Melvin macht jetzt Judo, dann kann er die ganzen Typen hier fertig machen.&quot;, sagt sie blo&amp;szlig;. Zum Gl&amp;uuml;ck haben wir unseren Freund Hans dabei, der seine Qualit&amp;auml;ten als Sozialarbeiter beweist. Seine beruhigende Art beschert ihm Respekt bei den Kindern und die Lage beruhigt sich schnell. Ich frage einen kleinen Knirps, ob das hier immer so w&amp;auml;re. Er sagt ja, das w&amp;auml;re ganz normal. Gest&amp;uuml;tzt von zwei M&amp;auml;dchen wird Ricardo, dessen Muskelkrampf in einen Heulkrampf &amp;uuml;bergegangen ist zum Sofa gef&amp;uuml;hrt. Sein Kn&amp;ouml;chel, der vor ein paar Wochen noch gebrochen war, ist wieder verstaucht. Ricardo hat Angst vor einer erneuten Operation.
Zum ersten Mal wird mir bewu&amp;szlig;t, was die Begeisterung der Kinder f&amp;uuml;r uns ausmacht. Wir sind Anlaufstelle f&amp;uuml;r die Jugendlichen, die ganz &amp;uuml;berrascht sind, dass wir  vern&amp;uuml;nftig mit ihnen reden und auch dann ruhig bleiben, wenn der Nervfaktor extrem hoch ist. 

Die meisten bleiben bis zum Schluss. Sie wollen nicht nach Hause. Als einer der Kleinsten in vollem Lauf der L&amp;auml;nge nach hinschl&amp;auml;gt und sich die Kniee aufsch&amp;uuml;rft, raten wir ihm, erst mal nach Hause zu gehen, um sich zu waschen. Aber er meint nur, er d&amp;uuml;rfe das nicht, seine Eltern w&amp;uuml;rden Wasser sparen. Ihm w&amp;auml;re es nur erlaubt, sein Gesicht zu waschen. Wir sch&amp;uuml;tteln mit dem Kopf und wissen nicht, ob wir das glauben sollen, aber vorstellbar w&amp;auml;re es.

21:00 Ansto&amp;szlig; Angola - Portugal
Gedankenverloren schaue ich auf den Bildschirm, die Portugiesen starten gut, f&amp;uuml;hren 1:0 und stellen die Arbeit ein. Sie wollen nicht mehr und Angola kann nicht mehr. Das war bisher die schw&amp;auml;chste Partie der WM. So was wollen wir nicht mehr sehen. 2 Tore heute in drei Spielen. Es kann nur besser werden.
Uns ist es sowieso egal, dieser Nachmittag hat traurige Erkenntnisse gebracht und ich bin dankbar, dass mein Elternhaus ist, wie es ist. Bei einigen Jungs hier z&amp;auml;hlen keine Argumente, sondern nur Schl&amp;auml;ge, schon bei den ganz Kleinen. Und trotzdem sind sie aufgeweckt, lieb und hilfsbereit, wenn man sich mit ihnen vern&amp;uuml;nftig besch&amp;auml;ftigt. Doch das erleben einige hier scheinbar zu selten.
Das kein falsches Bild entsteht: es waren auch nette Familien und Eltern bei uns zu Gast und hoffen wir mal, dass uns in diesem Moment eher die Ausnahmen besch&amp;auml;ftigten.
Uns gef&amp;auml;llt der Ort hier trotz allem sehr gut. Der Wohnpark ist wundersch&amp;ouml;n angelegt, M&amp;uuml;tter spielen mit ihren Kindern, es schreit und lacht. Alles wirkt harmonisch und trotzdem habe ich wieder dieses latente Gef&amp;uuml;hl, hier passiert noch was.

Wir packen zusammen, nicht ohne uns um Ricardo zu k&amp;uuml;mmern. Er hat sich beruhigt und sitzt leise schluchzend auf dem Sofa und hat inzwischen mit unserem &quot;Kinderkommunikator&quot; Hans Freundschaft geschlossen.  Als er am n&amp;auml;chsten Tag mit seinen Br&amp;uuml;dern wiederkommt, ist seine erste Frage &quot;Wo ist Hans?&quot;.</description>
      <dc:publisher>typolis: Wohnzimmer WM</dc:publisher>
      <dc:creator>peter folk</dc:creator>
      <dc:subject>tagebuch</dc:subject>
      <dc:rights>Copyright &#169; 2006 peter folk</dc:rights>
      <dc:date>2006-06-13T12:41:27Z</dc:date>
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   <item rdf:about="http://wohnzimmerwm.typolis.net/stories/4264/">
      <title>M&amp;uuml;mmelmannsberg, 09. Juni 2006 &quot;Der fr&amp;uuml;he Tod einer Stehlampe.&quot;</title> 
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      <description>Station 1: M&amp;uuml;mmelmannsberg, Skulpturenhof Gro&amp;szlig;e Holl

Gruppe A

18 Uhr Deutschland - Costa Rica	4:2 (2:1)
21 Uhr Polen - Ecuador 0:2 (0:1)

Als die Sonne hinter dem Horizont verschwand und die Hochh&amp;auml;user von M&amp;uuml;mmelmannsberg in ein rotes, beruhigendes Licht tauchte und zwischen den Betonbauten der Vollmond hervorschaute, ergab sich fast ein Gef&amp;uuml;hl wie Urlaub auf den weichen Kissen des WM-Wohnzimmers. Der Himmel erlebte seine &quot;Blaue Stunde&quot;. Auf dem Vorplatz des Skulpturenhofes spielten die Kinder Fu&amp;szlig;ball, im Hintergrund leuchteten Fitness Center und Sauna und auf dem Sessel neben mir weinte leise ein Pole. Ecuador hatte sich gerade in F&amp;uuml;hrung geschossen. Sein Freund neben im war barfu&amp;szlig; aufgesprungen und trabte laut fluchend &amp;uuml;ber den Platz, zog aus Protest sein Polen-Trikot aus und &amp;ouml;ffnete sich ein frisches &amp;Ouml;ttinger.

Diesem harmonischen Zustand zwischen Frust und s&amp;uuml;dl&amp;auml;ndischer Abendstimmung waren einige Turbulenzen vorausgegangen, die sich nun zum Gl&amp;uuml;ck in Wohlgefallen aufgel&amp;ouml;st hatten. 

Kaum hatten wir am Mittag die ersten beiden Sofas auf das Pflaster gesetzt, bekamen wir Besuch von zwei stark alkoholisierten Gesellen, die sich auf den Sitzm&amp;ouml;beln niederlie&amp;szlig;en und sich nicht mehr bewegen wollten. Einer schien einige Tage zuvor mit dem Gesicht durch eine Scheibe geflogen zu sein: Mund, Nase und Stirn waren von einer Blutkruste &amp;uuml;berzogen, dass es mir angst und bange wurde. Sein Kollege, eine Riese mit der Statur eines Ottfried Fischer hatte sich inzwischen das T-Shirt ausgezogen und seinen schwitzenden Leib in unser braunes Ledersofa geworfen. Wir verzogen angeekelt die Gesichter.  Unsere freundliche Aufforderung, sp&amp;auml;ter wieder zu kommen (nat&amp;uuml;rlich von der Hoffnung begleitet, dass sie dies nicht tun w&amp;uuml;rden) , beantworteten sie mit Beschimpfungen und drohten uns zu schlagen. Mirko, unser Video-Dokumentarfilmer bekam einen (zum Gl&amp;uuml;ck angedeuteten) Schlag in den Bauch. Die Sache drohte zu eskalieren. An Kommunikation war nicht zu denken. Den beiden schien es egal zu sein, dass wir kein polnisch verstanden. Ein Kontaktbeamter eilte herbei und schlichtete den Streit, alles noch mal gut gegangen. Wir ahnten allerdings Schlimmeres und ein mulmiges Gef&amp;uuml;hl wollte nicht so recht weichen. Was f&amp;uuml;r ein Auftakt.

Um 13 Uhr stand unser Wohnzimmer schon, noch 5 Stunden bis zum Anpfiff des Er&amp;ouml;ffnungsspiels. Noch viel Zeit. Zu viel Zeit, wie sich herausstellte. Der Schlendrian war so langsam eingezogen. Entspannt fuhr ich noch einmal zum Basislager  zur&amp;uuml;ck, um Technik und Getr&amp;auml;nke zu besorgen, naiv, ohne Stadtplan, benebelt vom sch&amp;ouml;nen Wetter.
Sichtlich nerv&amp;ouml;s empfingen mich die in M&amp;uuml;mmelmannsberg verbliebenen Kollegen mehr als viereinhalb Stunden sp&amp;auml;ter, als ich mit der Lieferung um 17:37 wieder eintraf. Ich war mit den Nerven am Ende. Noch 17:15 hatte ich nach mehreren Verfahrern im Stau gestanden und sah das Projekt Wohnzimmer WM vor meinen Augen zerbr&amp;ouml;seln.  Vor einer Kurve war ich auf der Autobahn zum Stehen gekommen. Ich hatte keine Ahnung, was vor sich ging. Au&amp;szlig;erdem hatten wir es bis jetzt nicht geschafft, das Radio im Auto zum Laufen zu bringen. Auf dem Skulpturenhof sa&amp;szlig;en inzwischen die aufgeregten Menschen und ich gef&amp;auml;hrdete durch meinen Leichtsinn das gesamte Projekt. Wir w&amp;uuml;rden das Er&amp;ouml;ffnungsspiel nicht zeigen k&amp;ouml;nnen und noch viel schlimmer, ich w&amp;uuml;rde das Er&amp;ouml;ffnungsspiel nicht sehen k&amp;ouml;nnen. Zwei Monate Arbeit umsonst, dachte ich, vor mit die klebrige Blechlawine. &quot;Sch&amp;ouml;nes Projekt&quot;, w&amp;uuml;rde man sagen, &quot;aber dass ihr das Er&amp;ouml;ffnungsspiel nicht gezeigt habt&quot;. Immer wieder schlug ich auf den Lenker und schrie fluchend das Zauberwort. Der v&amp;ouml;llig abgebr&amp;uuml;hte Cornelius neben mir wiederholte nur immer wieder: &quot;Wenn du dich jetzt aufregst, &amp;auml;ndert sich auch nichts.&quot; Na das konnte ich jetzt gebrauchen.
17:35 geschah ein Wunder. Der Fu&amp;szlig;ballgott hatte die Situation geistesgegenw&amp;auml;rtig erkannt und uns einen Freifahrtschein Richtung Deutschlandspiel ausgestellt. Der Stau l&amp;ouml;ste sich ganz pl&amp;ouml;tzlich auf und wir brausten Richtung M&amp;uuml;mmelmannsberg. Das ist auch eines der ungekl&amp;auml;rten Ph&amp;auml;nomene des modernen Stra&amp;szlig;enverkehrs: der Stau ist weg und mit ihm auch jegliche Spur seines Ausl&amp;ouml;sers.

P&amp;uuml;nktlich zur Nationalhymne lief dann alles, die Sofas waren haupts&amp;auml;chlich annektiert von Kindern, im Hintergrund fachsimpelte eine Gruppe von Dauerg&amp;auml;sten, die sich regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig vor dem angrenzenden Kiosk traf und jetzt ein paar neue Blickwinkel geboten bekam. Die Hymne wurde begleitet von zahlreichen Fahnenschwenkern auf den sonnen&amp;uuml;berfluteten Balkons. Sie hatten es noch vorgezogen, in den eigenen vier W&amp;auml;nden zu bleiben. Das fremde Wohnzimmer auf dem Platz vor der Haust&amp;uuml;r wirkte auf sie noch reichlich befremdlich.

18:07: Wahnsinnstor von Philipp Lahm, 1:0 f&amp;uuml;r Deutschland. Ich springe hoch, der restliche Jubel ist noch verhalten. Ist es die Anspannung oder vielleicht auch die Scheu, sich vor dem unbekannten Nachbarn emotional zu &amp;ouml;ffnen? Wir schauen weiter.
Auf den Balkons um uns herum erscheinen wieder die jubelnden Leute, die Knaller auf uns werfen und Fahnen schwenken. Einige von Ihnen haben eigenartige zylinderf&amp;ouml;rmige H&amp;uuml;te in deutschen Farben auf dem Kopf. Unser Blick wird nur kurz nach dort oben gelenkt, die Zeitlupe l&amp;auml;uft.

18:13: Die deutsche Mannschaft gut in Form. Schnicks Schneider aufgedreht wie zu besten Zeiten, gute Kombinationen zwischen Klose und Schweinsteiger, doch dann der Schock: 1:1, Wanchope eiskalt. Die Jungs gegen&amp;uuml;ber lassen sich entsetzt in die Lehnen fallen. Sie gehen jetzt lieber selbst Fu&amp;szlig;ball spielen.

18:19: Jaaa! Sensationelle Kombination &amp;uuml;ber Schneider, Schweini und Klose. Deutschland f&amp;uuml;hrt wieder. Der Jubel ist gro&amp;szlig;, was mich wundert, denn 80% der Leute sind nicht deutscher Abstammung. Doch fast alle, ob T&amp;uuml;rken, Polen oder Tunesier hoffen, dass Deutschland Weltmeister wird. Selbst der t&amp;uuml;rkische Chef des Astra Pott gegen&amp;uuml;ber dr&amp;uuml;ckt die Daumen f&amp;uuml;r die Deutschen. Da hei&amp;szlig;t es immer, das Problem der Immigranten w&amp;auml;re die mangelnde Identifikation mit Deutschland. Was f&amp;uuml;r ein Unsinn.

19:15: Die erste Viertelstunde der zweiten Halbzeit konnte uns bis jetzt nicht aus den Sesseln werfen, pl&amp;ouml;tzlich fliegt Geburtstagskind Klose heran, scheitert mit seinem Kopfball, doch stochert geistesgegenw&amp;auml;rtig nach und trifft zum zweiten Mal: 3:1! Jetzt ist alles klar und die Begeisterung nimmt zu. Auch Arme, die in polnischen Nationaltrikots stecken, werden nach oben gerissen. Das Wohnzimmer ist jetzt angenehm gef&amp;uuml;llt. In der zweiten Reihe werden mitgebrachte St&amp;uuml;hle aufgestellt.
Derweil l&amp;auml;uft unsere Bar eher schleppend. Im 10 Meter entfernten Kiosk kostet das Bier nur die H&amp;auml;lfte. Daf&amp;uuml;r werden wir b&amp;ouml;se angegangen. Die Meinungen sind gespalten: die Einen sagen, setzt die Preise hoch, sonst saufen die hier ungehemmt und sind nicht mehr zu kontrollieren, die anderen sagen, f&amp;uuml;r das Geld, das ich bei Euch f&amp;uuml;r eine Flasche bezahle, bekomme ich woanders einen ganzen Kasten f&amp;uuml;r. Ich argumentiere, dass man das nicht miteinander vergleichen kann, dass wir auch noch weitere Unkosten zu decken haben und ernte daf&amp;uuml;r wildes, durch jahrelangen Zigarettenkonsum angerautes Gel&amp;auml;chter. &quot;Du setzt dich her und tust so, als w&amp;uuml;rde dir das alles hier geh&amp;ouml;ren und ziehst dem Kleinen Mann auch noch seine letzten Kr&amp;ouml;ten aus der Tasche!&quot; Bedr&amp;uuml;ckt breche ich die Diskussion ab und setze mich etwas abseits. Das sind auf jeden Fall schon am ersten Tag interessante Erkenntnisse.

19:28: Was ist jetzt los? Wieder dieser Teufelskerl Winchope. Abgebr&amp;uuml;ht schiebt er zum 2:3 ein. Schon wieder Zittern. Keiner jubelt, beeindruckend diese Loyalit&amp;auml;t. 

19:36: Das wars. Frings ballt die F&amp;auml;uste und freut sich eher nach innen. Er wei&amp;szlig;, er hat gerade ein Traumtor geschossen. Der neue adidas-WM-Ball hat sein Versprechen eingel&amp;ouml;st und ist zum Freund des Sch&amp;uuml;tzen geworden. Unberechenbar dreht sich der Ball ins rechte obere Ecke, der Torwart springt vorbei: 4:2 f&amp;uuml;r Deutschland. So bleibt es auch am Ende.

20:00 Uhr Jetzt kommt die Zeit der Polen, das Wohnzimmer f&amp;uuml;llt sich mit rot-wei&amp;szlig;en Farben. 
Vorher werden noch aufgefordert zu einem ?Vorbereitungsspiel? Deutschland ? Polen.  Wir verlieren 5:7. Das sind ja sch&amp;ouml;ne Aussichten. Unsere zusammengew&amp;uuml;rfelte Mannschaft spielt erschreckend pomadig und vor allem die Abwehr ist ein H&amp;uuml;hnerhaufen. Was mir bleibt ist eine schmerzhafte Risswunde &amp;uuml;ber dem linken Kn&amp;ouml;chel, zugef&amp;uuml;gt vom eigenen Mitspieler beim gemeinsamen Rettungsversuch. Gen&amp;uuml;tzt hat es nicht, trotzdem Tor.

21:00 Ansto&amp;szlig; Polen ? Ecuador. Den Polen sind euphorisch, ihre Mannschaft bestimmt das Spiel, ohne jedoch das Tor der Ecuadorianer zu gef&amp;auml;hrden.
Im Hintergrund n&amp;auml;hert sich im Schneckentempo ein &amp;auml;lterer Herr mit Stock, er ist noch 100m entfernt,wird eine Viertelstunde im Wohnzimmer eintreffen und dort f&amp;uuml;r ein paar Sekunden traurige Ber&amp;uuml;hmtheit erlangen.

21:24 Schock im Wohnzimmer: 1:0 f&amp;uuml;r Ekuador. Es hatte sich in den Minuten davor angek&amp;uuml;ndigt, Ecuador mit den besseren Chancen, jetzt werden sie belohnt. Polen zu einfallslos, ohne Druck und Ideen nach vorne. Smolarek ist v&amp;ouml;llig abgemeldet. Das umstrittene Defensivkonzept des unbeliebten polnischen Nationaltrainers erregt auch hier in Hamburgs Osten die Gem&amp;uuml;ter.
Neben mir erhebt sich unser beleibter Freund von heute Mittag. Seiner Androhung von Gewalt, war ein vers&amp;ouml;hnlicher Handschlag und eine Verbeugung gefolgt, alles wieder gut. Doch nun stapfte er &amp;uuml;ber den Platz und schimpfte auf polnisch vor sich her. Hoffentlich erleben wir nicht wieder einen pl&amp;ouml;tzlichen Stimmungsumschwung. Sein Kollege bleibt sitzen und weint still vor sich hin. Er wei&amp;szlig;, eine Niederlage gegen Ecuador und f&amp;uuml;r Polen ist es fast vorbei.
Im Hintergrund hat sich der alte Mann bis auf 50m gen&amp;auml;hert.

21:45 Halbzeit. Polen liegt zur&amp;uuml;ck. Die Diskussionen auf polnisch lassen sich schwer verfolgen doch ist es klar worum es geht: das war  gar nichts!
Auf dem Bolzplatz l&amp;auml;uft mal wieder die Partie Deutschland-Polen. Fu&amp;szlig;ball-Scouts aufgepasst: hier werdet ihr sie finden, die Stra&amp;szlig;enfu&amp;szlig;baller, die es angeblich nicht mehr gibt. Schon unglaublich, was vor unseren Augen 8j&amp;auml;hrige mit dem Ball anstellen. Wir vertrauen auf unsere Physis und behelfen uns mit versteckten Fouls. Trotzdem istzum wiederholten Male die verdiente Niederlage nicht abzuwenden. Die n&amp;auml;chste Generation hat uns &amp;uuml;berholt.

22:20 Die Polen kommen besser ins Spiel, machen jetzt mehr Druck. Doch das alles wirkt nicht besonders zwingend, das Offensivspiel offenbart wenig Struktur, die St&amp;uuml;rmer vorne sind auf sich alleine gestellt und versuchen es mit der Brechstange.
W&amp;auml;hrend ich dar&amp;uuml;ber sinniere, was dem polnischen Spiel fehlt, taucht pl&amp;ouml;tzlich der alte Mann wie ein Geist vor dem TV-Ensemble auf. In den wenigen Sekunden, die bis zu seinem Sturz bleiben, wird mir etwas schlagartig klar: die Pflastersteine auf dem Skulpturenhof und dem davor liegenden Platz bilden ein feinmaschiges Muster aus Quadraten und grauen Linien. Dieser Herr war einer von ihnen gefolgt.  Sie war ihm eine Orientierung um &amp;uuml;berhaupt einigerma&amp;szlig;en &amp;uuml;ber den weitl&amp;auml;ufigen Platz zu kommen. Sie war Kompass &amp;uuml;ber das Meer aus Pflastersteinen. Unsere Sitzgruppe bildete sozusagen den Polarsteinen, an dem sich erfahrenen Seeleute orientieren k&amp;ouml;nnen. Sie haben den Vorteil, dass sie dem Polarstern niemals direkt begegnen, dort nicht anecken, ihn niemals ber&amp;uuml;hren. Das war hier anders. Bei unseren Fernsehern war Endstation. Wir hatten die Fernseher ausgerechnet auf diese Linie gestellt. In der Fu&amp;szlig;ballersprache w&amp;uuml;rde das hei&amp;szlig;en, wir haben die Laufwege zugestellt. Der alte Mann muss sich gef&amp;uuml;hlt haben wie Truman im Film &quot;The Truman Show&quot;, als er auf seiner Flucht &amp;uuml;ber das von ihm als real empfundene Meer an die Wand des Fernsehstudios stie&amp;szlig; und seine Welt ihre K&amp;uuml;nstlichkeit offenbarte. Meine Gedanken werden durch ein gequ&amp;auml;ltes St&amp;ouml;hnen unterbrochen. Der  Alte f&amp;auml;llt exakt zwischen unsere Fernseher, um sich schlie&amp;szlig;lich auf dem Digital-Receiver und unserer Antenne abzurollen. Mit einem Panthersprung rette ich ein im Fallen begriffenes Fernsehger&amp;auml;t. Das Bild verschwindet. Ein Aufschrei im Wohnzimmer, Polen war gerade am Dr&amp;uuml;cker. Wir richten den Gest&amp;uuml;rzten auf, er verschwindet genauso pl&amp;ouml;tzlich wie er gekommen ist. Wie einst der Holl&amp;auml;nder Michel im &quot;Kalten Herz&quot; war er erschienen und wieder verschwunden. 
Wie durch ein Wunder war alles heil geblieben und das Spiel geht weiter. Doch dadurch bleibt unseren polnischen G&amp;auml;sten nicht das 0:2 in der 82. Minute erspart. Und als ob das nicht gereicht h&amp;auml;tte,  scheitern die Polen auch noch zweimal an Pfosten und Latte, Nadelstiche f&amp;uuml;r die Kollegen neben uns. Fluchen, Klagen und wieder dieses leise Weinen. Ein paar Kinder jubeln, es wird ihnen nicht &amp;uuml;bel genommen. Auf dem Sofa neben mir entledigt sich ein frustrierter polnischer seines rot-wei&amp;szlig;en Trikots und knallt es auf den Boden. Klar, die Entt&amp;auml;uschung ist gro&amp;szlig;, Polen ist fast drau&amp;szlig;en. Aber es gibt gr&amp;ouml;&amp;szlig;tenteils faire Anerkennung f&amp;uuml;r den Gegner aus Ecuador. 


23:00 Ein friedlicher Wohnzimmerabend geht zu Ende. Es gibt viel zu diskutieren vor dem Kiosk gegen&amp;uuml;ber. Die Sofas sind wieder im Transporter und was am wichtigsten ist, die Fernseher sind ganz geblieben, was ja nach den besagten Vorf&amp;auml;llen nicht so ganz selbstverst&amp;auml;ndlich ist. Ach ja, unsere Wohnzimmerlampe hat den ersten Tag leider nicht &amp;uuml;berlebt. Sie wurde beim Sturz zerlegt. Aber das ist alles zu verkraften. Wir werten den Tag noch ein wenig mit den Anwohnern aus, alle sind begeistert und traurig, dass sich das Ganze am n&amp;auml;chsten Tag dort nicht wiederholen wird. Doch einige wollen uns folgen nach Steilshoop. Wir w&amp;uuml;rden uns freuen. Nun ja, die Getr&amp;auml;nkepreise bleiben nicht unkommentiert. Wir werden  &amp;uuml;ber eine Reduzierung nachdenken.
Noch ein kurzer Blick zur&amp;uuml;ck und das Wohnzimmer-Mobil steuert in die M&amp;uuml;mmelmannsberger Nacht Richtung Westen. 
Bis zum n&amp;auml;chsten Mal,

Peter Sch&amp;uuml;tz</description>
      <dc:publisher>typolis: Wohnzimmer WM</dc:publisher>
      <dc:creator>peter folk</dc:creator>
      <dc:subject>tagebuch</dc:subject>
      <dc:rights>Copyright &#169; 2006 peter folk</dc:rights>
      <dc:date>2006-06-12T14:16:19Z</dc:date>
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   <item rdf:about="http://wohnzimmerwm.typolis.net/stories/4618/">
      <title>Lokstedt, Lenzsiedlung, 17. Juni 2006 &quot;Wir sind hier nicht beim Basketball.&quot;</title> 
      <link>http://wohnzimmerwm.typolis.net/stories/4618/</link>
      <description>Gruppe D:
Portugal - Iran 2:0 (0:0)
Mexiko - Angola 0:0

Gruppe E:
Italien - USA 1:1 (1:1)

Nach den Erlebnissen des Vortages war der erneute Weg nach Lokstedt von einem flauen Gef&amp;uuml;hl im Magen begleitet. Ich f&amp;uuml;hlte mich allerdings heute besser vorbereitet, sowohl psychisch als auch verbal. Ich hatte eine Ansprache im Kopf, sollten die Dinge sich wieder so entwickeln wie gestern. Der erste Kontrollblick gen Himmel brachte Beruhigung. Er war zwar etwas bew&amp;ouml;lkt, aber er strahlte eine gewisse Ruhe aus, die mich nicht an Regen denken lie&amp;szlig;. Der Lenzweg schl&amp;auml;ngelte sich menschenleer an den Hochh&amp;auml;usern entlang. Von unseren neuen Freunden noch keine Spur. `Das wird sich noch &amp;auml;ndern&amp;acute;, dachte ich mir. Nachdem wir nun etwas positiver durch Lokstedt liefen, entschieden wir uns diesmal f&amp;uuml;r einen etwas anderen Ort f&amp;uuml;r unser Wohnzimmer. Ein gepflasterter Innenhof wurde dem noch nassen Rasen vorgezogen. Bei der Ortsbegehung klatschte es zweimal neben uns auf die Steine. Griffen die kleinen Biester jetzt auf Wasserbomben zur&amp;uuml;ck? Ich als gelerntes Neubaukind hatte so etwas ja auch ganz gerne mal aus dem 10.Stock geworfen.  Nein ganz anders, zwei kleine wei&amp;szlig;e B&amp;uuml;ndel hatten den Weg zu uns gefunden. Zwei vollgesch... Babywindeln. Wir hatten ja schon von dem Gr&amp;uuml;cht geh&amp;ouml;rt, dass dies innerhalb von Hochhaussiedlungen nicht unnormal sein soll, aber ich dachte immer, das w&amp;auml;re ausgedacht. Falsch gedacht.

Als wir die Pf&amp;ouml;rtnerloge betraten, drehten wir erst mal wieder um. Unser Teppich schien &amp;uuml;ber Nacht lebending worden zu sein und verspr&amp;uuml;hte jetzt seinen ganz eigenen Nachtschwei&amp;szlig;. Wir zogen ihn heraus, &amp;ouml;ffneten alle Fenster und die Sache beruhigte sich schnell.

Unser neuer Ort erwies sich als Volltreffer. Viel mehr Leute kamen hier vorbei, freuten sich und k&amp;uuml;ndigten f&amp;uuml;r sp&amp;auml;ter ihr Kommen an. Auch waren jetzt 5, 6 Freunde eingetroffen. Zusammen ergaben wir sicher einen erh&amp;ouml;hten Respektlevel. Die Vorg&amp;auml;nge von gestern w&amp;uuml;rden sich nicht wiederholen.

15:00
Schon in diesem Spiel sollte sich erweisen, dass wir heute einen ruhigen Nachmittag erleben sollten. Auch ein paar Leute hatten sich zu uns gesellt, unter ihnen zwei Kinder, die gestern auch im Pulk waren, aber sich etwas abseits davon gehalten hatten. Das Spiel riss uns nicht von den Sitzen, wir spielten selbst ein wenig Fu&amp;szlig;ball. Dabei nahmen wir zun&amp;auml;chst die Position von Fairplay-Missionaren ein. Ich spielte mit Thomas zu zweit gegen vier, f&amp;uuml;nf andere Kinder, das wechselte st&amp;auml;ndig. W&amp;auml;hrend wir uns die B&amp;auml;lle hin-und herspielten, hatte sich bei den Jungs noch nicht herumgesprochen, dass es sich bei Fu&amp;szlig;ball um einen Mannschaftssport handelt. Sobald einer von ihnen den Ball hatte, rannte er vor den anderen davon, zumeist mit dem Ball in der Hand, wurde dann irgendwie in eine Ecke gedr&amp;auml;ngt und traktiert mit Fu&amp;szlig;tritten und W&amp;uuml;rgegriffen. !Gib den Ball her!&quot;. Wir versuchten ihnen immer wieder klar zu machen, dass sie doch ein Team w&amp;auml;ren, aber das half alles nichts. Als dann auch noch die gro&amp;szlig;e Schwester eines Jungen mitspielte und mit ihren F&amp;auml;usten durchgriff, hatten wir genug. Ich sah nur noch schreiende Zahnl&amp;uuml;ckenm&amp;uuml;nder, Zeit f&amp;uuml;r Fu&amp;szlig;ball-WM. Der Ball wurde ins Auto geschlossen.
15:45
Die erste Halbzeit kann man getrost vergessen. Sie ist einzig und allein f&amp;uuml;r Statistiker interessant. Die Portugiesen bestimmten das Spiel, die Iraner standen nur in der eigenen H&amp;auml;lfte, machten die &quot;R&amp;auml;ume eng&quot;, wie man so sagt und ihre Angriffe endeten stets mit einem Fehlpass.

16:00
Die zweite Halbzeit beginnt. Mittlweile ist auch Norman zu uns gekommen. Norman ist 17 und nimmt f&amp;uuml;r uns ein wenig die Funktion des Aufpassers ein. Er achtet auf die Bar und die Pf&amp;ouml;rtnerloge. Wir k&amp;ouml;nnen uns wieder auf das Spiel konzentrieren. Aber es ist so langweilig!

16:19
Die Portugiesen bestimmen das Geschehen, allerdings wirkt alles nicht mehr so zwingend wie in den ersten 45 Minuten. Endlich fasst sich Figo in der 63. ein Herz, wagt einen Alleingang, Pass zu Deco, der zieht ab: 1:0. Ein Traumtor. Endlich mal.
In der letzten halben Stunde passiert nicht mehr viel. Die Portugiesen geben das Geschehen etwas aus der Hand, die Iraner haben ein paar halbe Chancen und in der 80. f&amp;auml;llt die Entscheidung. Der selbstverliebte Christiano Ronaldo trifft zum 2:0. Es h&amp;auml;tten ein paar Tore mehr fallen k&amp;ouml;nnen, w&amp;uuml;rde er nicht immer so eigensinnig spielen. Vielleicht hat er das Fu&amp;szlig;ballspielen in Lokstedt gelernt, denke ich mir.

16:45
Das erste Spiel des Tages ist vorbei. Ich lehne mich gelangweilt zur&amp;uuml;ck und sehe neben der Loge wieder die Terrorkids von gestern. Sie schauen nur kurz ums Eck und sind gleich wieder verschwunden. Einer von ihnen gesellt sich zu uns, ich erkenne ihn an seiner wei&amp;szlig;en Jacke wieder. Ich gehe zu ihm, um ihm mitzuteilen, dass da noch eine kleine Getr&amp;auml;nkerechnung von gestern offen ist. V&amp;ouml;llig entgeistert schaut er mich an. Bringt uns das Geld und die Sache ist vergessen. &quot;Wenn ihr ein wenig Ehre im Leib habt, bringt ihr uns das Geld&quot;, gebe ich ihm noch mit auf den Weg. Was f&amp;uuml;r eine street creditibility-Floskel! Ich bin mir selbst etwas peinlich. Aber die Ansage scheint gesessen zu haben. Schnell kommen drei 14, 15-j&amp;auml;hrige M&amp;auml;dchen zu uns (die anstrengendsten gestern) und beteuern ihre Unschuld. Sie wissen, wer uns beklaut hat, wollen die Namen aber nicht nennen. Insgeheim finde ich das gut, das zeigt Haltung. Ich teile ihnen noch einmal unsere Genervtheit von gestern mit und f&amp;uuml;hre ihnen ihre bl&amp;ouml;den Aktionen vor Augen. Sie sind einsichtig und entschuldigen sich und machen sich auf die Suche nach den b&amp;ouml;sen Jungs, nach den Anderen, die es dann immer gewesen sind. Von diesem Moment an gibt es keinerlei Probleme mehr mit ihnen, im Gegenteil wir verstehen uns fortan sehr gut. Zu diesem Zeitpunkt konnte noch keiner wissen, dass sich schon die n&amp;auml;chste Kindergang auf ihren Auftritt vorbereitete.

18:00
Ansto&amp;szlig; Italien - USA
Zwischen den Spielen waren wir ein wenig spazieren und da Bewegung hungrig macht, hatten wir die Idee, den Grill noch einmal anzuwerfen. Es lagen noch vier pikante Pfeffersteaks neben der Couch, also rauf auf den Ofen. Schon als ich den Spiritus auf der Holzkohle  ausgoss, war ich umzingelt von unz&amp;auml;hligen 8j&amp;auml;hrigen Jungen, die f&amp;uuml;r eine Attraktion namens Feuer den silbernen Fu&amp;szlig;ball liegen lie&amp;szlig;en, den ich inzwischen wieder aus dem Transporter geholt hatte. Na gut, es waren vielleicht vier oder f&amp;uuml;nf Knirpse, aber die k&amp;ouml;nnen einen Betrieb machen, dass man sich einer ganzen Armee gegen&amp;uuml;ber sieht. Der Fu&amp;szlig;ball war am Ende eines langen Tages &amp;uuml;brigens verschwunden. Vermutlich hatte er sich hier im preisgekr&amp;ouml;nten Wohngebiet eine Wohnung gesucht.

Noch hatte ich das Streichholz nicht an die Kohlen gehalten, da begannen schon alle zu pusten. Eine Stichflamme lie&amp;szlig; zun&amp;auml;chst alle zur&amp;uuml;ck schrecken, um sie Sekunden sp&amp;auml;ter erst recht wieder anzuziehen.
Italien hatte &amp;uuml;brigens gerade das 1:0 erzielt. Ich bekam hier nichts mehr mit, au&amp;szlig;er dass jetzt doch alle Pl&amp;auml;tze ausgef&amp;uuml;llt waren. Einige Anwohner hatten sich Decken mitgebracht und es sich gem&amp;uuml;tlich gemacht. Sie hatten sich sozusagen eingem&amp;uuml;mmelt.
Jetzt Pusten von allen Seiten, das Feuer schlug nach oben aus. &quot;K&amp;ouml;nnen wir auch was essen? Ist da noch was &amp;uuml;brig?&quot; Wir mit unseren knurrenden M&amp;auml;gen f&amp;uuml;hlten uns alsbald als schlechte Menschen. Wir w&amp;uuml;rden jetzt gleich den armen Kindern was voressen. Da wu&amp;szlig;te ich noch nicht, dass  in wenigen Minuten mein Mitleid in seine Grenzen verwiesen werden w&amp;uuml;rde.



Die Amerikaner machten ziemlichen Wind und waren gegen&amp;uuml;ber dem Spiel gegen Tschechien nicht wiederzuerkennen. Italien war m&amp;auml;chtig in die eigene H&amp;auml;lfte gedr&amp;auml;ngt und konzentrierte sich aufs verteidigen.

18:27 Trotz des guten Forcheckings der Amis war Italien in der 22. Minute in F&amp;uuml;hrung gegangen, doch jetzt der Doppelschock: erst das 1:1 nach einem Eigentor von Zaccardo und nun der Ellbogencheck von de Rossi gegen McBride. Brutales Foul! Zu Recht Rot. Franz Beckenbauer sollte sp&amp;auml;ter irgendwas faseln von &quot;Wir spielen hier nicht Basketball, sondern Fu&amp;szlig;ball.&quot; Aber was hat das damit zu tun. Augen auf, Herr Kaiser! Das war K&amp;ouml;rperverletzung. 
Die musste ich im &amp;uuml;brigen auch mehrmals am Grill verhindern. Irgendwie war die Spiritusflasche in die Kinderh&amp;auml;nde geraten. Ich gr&amp;auml;tschte dazwischen und verinderte das Schlimmste.
Wir a&amp;szlig;en bald darauf unsere Pfeffersteaks, eins war auch f&amp;uuml;r die Bengels &amp;uuml;brig geblieben. Sie hatten jetzt vollst&amp;auml;ndig die Kontrolle &amp;uuml;ber den Grill &amp;uuml;bernommen.
Ich setzte mich entspannt zur zweiten Halbzeit auf die Couch. Auch die Amerikaner hatten sich eine Rote abgeholt. W&amp;auml;hrend ich auf die Zeitlupe schaute und dem Schiedsrichter beipflichten musste, h&amp;ouml;rte mein Unterbewu&amp;szlig;tsein von irgendwoher die Vokabel &quot;auspinkeln&quot;. Ich nahm davon vorerst keine Notiz. Die Amis waren jetzt am Dr&amp;uuml;cker, nutzten die taktische Verwirrung in der italienischen Mannschaft und spielten sich eine Chance nach der anderen heraus.
Als gerade Italiens Torh&amp;uuml;ter Buffon quer in der Luft lag, sah ich aus dem Augenwinkel zwei Jungen mit herunter gelassener Hose am Grill stehen. Jetzt begannen meine Synapsen zu rotieren. Eine Kombinationskette bestehend aus Grill brennt-Fleisch ist alle- Feuer ausmachen setzte sich in Gang. Und jetzt schoss es mir in den Sinn: &quot;auspinkeln&quot;. Die Jungen wollten den Grill auspinkeln. In Sekundenschnelle erinnerte ich mich an einen Sommertag, es muss in meinem 17. Lebensjahr gewesen sein. Wir feierten ein Party, irgendwo auf dem Land mit &amp;Uuml;bernachtung in einer Scheune. Ziemlich betrunken standen wir zu viert am Grill in eben jener Pose wie diese Jungs dort und liesen es auf die noch gl&amp;uuml;hende Holzkohle rieseln. Nat&amp;uuml;rlich stand ich genau auf der Seite, auf der der Rauch nach oben schoss. Diese Tatsache war &amp;uuml;brigens typisch f&amp;uuml;r diesen Abschnitt meines Lebens. Aber das ist eine andere Geschichte. 
Ein unglaublicher Gestank legte sich auf mich, auf meine Sachen, in meine Haare. Ich habe ihn gesch&amp;auml;tzte drei Tage nicht mehr losbekommen. Vielleicht hatte er sich nur in meinen Nasenhaaren verfangen,ich wei&amp;szlig; es nicht.
In diesem Moment war mir nur eines klar, das wollte ich nie wieder erleben und schon gar nicht hier in unserem WM-Wohnzimmer. Wie dieser Buffon sprang ich auf, schreie Nein! und rette damit den Grill. Die Hosen flutschen nach oben. Das war knapp. Ich wu&amp;szlig;te in diesem Moment, welcher Kelch an unser vor&amp;uuml;bergezogen war. Ich habe es erlebt!
Die Kids sind kaum geschockt. Sie legen jetzt gro&amp;szlig;fl&amp;auml;chige Pappest&amp;uuml;ckchen auf  das Feuer. Das stinkt &amp;auml;hnlich schlimm. Auch die Rauchentwicklung ist in etwa das gleiche Kaliber. Ich setze mich zur&amp;uuml;ck aufs Sofa und beobachte den n&amp;auml;chsten USA-Angriff. Mittlerweile sind sie nur noch zu neunt, k&amp;ouml;nnen das allerdings gut kompensieren. Wir sehen das aufregendste Spiel des Tages, nicht nur auf dem Platz, auch auf den R&amp;auml;ngen der Wohnzimmer WM. Pl&amp;ouml;tzlich h&amp;ouml;re ich einen Schrei, der fast etwas unmenschliches an sich zu haben scheint. Er kommt aus Richtung des Grills. Dort steht jetzt Till mit rotem Kopf und aufgerissenem Mund. Ich realisiere sofort: hier bahnen sich all der Frust und all die Anstrengung, die zwei Tage hinter Schloss und Riegel verbringen mussten, ihren Weg nach drau&amp;szlig;en. &quot;Schluss jetzt!&quot; oder &quot;Haut ab! schallt es durch die H&amp;auml;user. &quot;Haut endlich ab!&quot;, &quot;Weg!&quot; , &quot;Ihr geht mir so af die Eier!!&quot; Die Jungs suchen sofort das Weite. Selbst ich bekomme es mit der Angst zu tun. ..
Aber dann ist Ruhe, wundersame Ruhe. Was doch so ein Gewitter manchmal f&amp;uuml;r eine reinigende Wirkung hinterl&amp;auml;sst.
Italien und USA trennen sich 1:1. F&amp;uuml;r uns war es hier auch irgendwie ein Unentschieden. Auf jeden Fall die aufregendste Station auf unserer Reise bisher. Letztendlich doch noch ein sch&amp;ouml;nes Wochenende. Wir haben auch viele nette Leute getroffen, aber wie es immer so ist: die Dinge, die schief laufen sind ein bisschen interessanter.
Bis zum n&amp;auml;chsten Mal,

Peter Sch&amp;uuml;tz</description>
      <dc:publisher>typolis: Wohnzimmer WM</dc:publisher>
      <dc:creator>peter folk</dc:creator>
      <dc:subject>tagebuch</dc:subject>
      <dc:rights>Copyright &#169; 2006 peter folk</dc:rights>
      <dc:date>2006-06-23T17:45:28Z</dc:date>
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   <item rdf:about="http://wohnzimmerwm.typolis.net/stories/4624/">
      <title>M&amp;uuml;nzburg, St. Georg, 18. Juni 2006 &quot;Ah super, da komme ich auch gleich mal runter.&quot;</title> 
      <link>http://wohnzimmerwm.typolis.net/stories/4624/</link>
      <description>Gruppe F
Japan - Kroatien 0:0
Brasilien - Australien 2:0 (0:0)

Gruppe G
Frankreich - S&amp;uuml;dkorea 1:1 (1:0)



Wir brauchten Urlaub. Irgendetwas entspannendes. Und, hier waren wir genau richtig!
Ein von au&amp;szlig;en unscheinbarer, von innen &amp;uuml;berw&amp;auml;ltigender, schattiger Innenhof pr&amp;auml;sentierte sich uns an diesem Sonntagnachmittag. Drau&amp;szlig;en waren es gesch&amp;auml;tzte 40 Grad. Hier drinnen befanden wir uns in einer klimatisierten, lautst&amp;auml;rkeged&amp;auml;mmten Burg, die mir das Gef&amp;uuml;hl gab, in einem Museum zu sein. Diese angenehme Stille, die automatisch unsere Stimmen d&amp;auml;mmte. Irgendwo in der Ferne gab es Dinge wie Stra&amp;szlig;enverkehr, vorbeifahrende Z&amp;uuml;ge, nervige Halbw&amp;uuml;chsige oder Windeln auf dem Trittoir. 
Die roten Klinkerw&amp;auml;nde nahmen unaudfringlich f&amp;uuml;r sich ein. Die Au&amp;szlig;enwelt war nur noch durch den nebligen Schleier des Halbschlafs wahrzunehmen. Kurz: genau der richtige Ort f&amp;uuml;r einen lazy sunday afternoon.

In Zeitlupentempo bauten wir unser Wohnzimmer auf, nichts konnte uns stressen. Jeder Handgriff passierte irgendwie mit Anlauf. Ach ja, jetzt f&amp;auml;llt es mir wieder ein: hier in der M&amp;uuml;nzburg hatte ich das Gef&amp;uuml;hl, unter Wasser zu sein, ein z&amp;auml;her Soundtrack von drau&amp;szlig;en, die Bewegungen schwerelos. Vielleicht hatte ich auch nur zu lange gefeiert. Ich wei&amp;szlig; es nicht mehr.

Als unser Set zu zwei Dritteln stand, bekamen wir Besuch. Hamburg1 war mal wieder im Haus. Mir war nicht wohl dabei. Schlie&amp;szlig;lich waren wir noch unter uns, so um die vier Leute und sollten zum x-ten Male Begeisterung und Torjubel faken. Warum braucht es eigentlich auf jedem Foto, in jedem Film, der irgendwas mit Fu&amp;szlig;ball zu tun hat, in TV-Reportagen, News oder Werbung immer diese uns&amp;auml;glichen Jubelposen und dieses Tooor!-Geschreie? Ich glaube, die Telekom hatte in ihren Spots damit angefangen. Jetzt will das jeder sehen. M&amp;uuml;de und gelangweilt rissen wir die Arme hoch, der Fokus verkleinert, wir zusammenger&amp;uuml;ckt, damit das hier nach &quot;viel&quot; aussah. Zu diesem Zeitpunkt glaubte ich, dass es heute so bleiben w&amp;uuml;rde. Ich hatte mich get&amp;auml;uscht.

15 Uhr
Kroatien - Japan
Dieses Spiel schauten wir noch gr&amp;ouml;&amp;szlig;tenteils allein. Nicolas Schr&amp;ouml;der von ProQuartier kam zu Besuch mit seinen Zwillingskindern, die w&amp;auml;hrend des gesamten Spiels in ihrem Kinderwagen friedlich schliefen. Ich h&amp;auml;tte gerne mit ihnen getauscht, denn dieses Spiel lie&amp;szlig; meinen Halbschlaf zum Tiefschlaf werden. Die beiden merkten &amp;uuml;brigens nicht, dass auch sie vor die Hamburg1-Kamera geschoben wurden, um ins Fernsehen zu kommen. Sie nahmen diese Tatsache gleichg&amp;uuml;ltig auf.

15:30
Jetzt kam auch noch Thorsten Schaar, der Chefredakteur der 11Freunde vorbei. Ausgerechnet heute, wo uns wohl keiner finden und beehren w&amp;uuml;rde, gab sich die Presse die Klinke in die Hand. Wir f&amp;uuml;hrten erst einmal ein nettes Interview. Hoffentlich glaubte er, dass es nicht immer so leer war.

15:45
Halbzeit. Nichts passiert. Langweilig. Ein paar brasilianische Fans tauchten auf. Sie warteten aufs n&amp;auml;chste Spiel ab 18 Uhr. Ich bekam Hoffnung.

16:00
Die zweite Halbzeit begann. Endlich der erste Anwohner. Er hatte sein Fahrrad mitgebracht und flickte einen Fahrradschlauch, w&amp;auml;hrend er ab und zu mal aufschaute. Als alles wieder heile war, interessierte ihn das Spiel auch nicht mehr und er ging wieder. Hamburg1 und 11Freunde waren immer noch da. Schade dachte ich, gerade heute.

16:45
Endlich, das Spiel ist vorbei. 0:0: zu wenig f&amp;uuml;r beide.
Eine nette Nachbarin setzte sich noch zu uns. Im Erdgeschoss &amp;ouml;ffnete sich ein Fenster. Ich f&amp;uuml;rchtete die ersten Beschwerden, aber eine &amp;auml;ltere Frau wollte nur wissen, wann Brasilien spielen w&amp;uuml;rde.

17:15
Jetzt waren wir schon zu zehnt, unmerklich hatte sich das Stadion gef&amp;uuml;llt.

17:30
Fast alle Pl&amp;auml;tze besetzt. Wo kamen die alle pl&amp;ouml;tzlich her?

17:45
Jetzt str&amp;ouml;mte es von allen Seiten. Eine junge Brasilianerin hatte sich den letzten Sessel geschnappt. Was tun? Zum ersten Mal &amp;uuml;berstieg der Andrang unsere Kapazit&amp;auml;ten. Es nahm kein Ende. Als h&amp;auml;tten alle nur auf dieses Spiel Brasilien - Australien genau an diesem Ort gewartet. Zum Gl&amp;uuml;ck befand sich im Keller der M&amp;uuml;nzburg unser Lager, in dem noch ca. 100 wei&amp;szlig;e Plastikkisten standen, aus denen wir in Minutenschenlle kleine Trib&amp;uuml;nen bauen konnten. Jetzt also doch Stress und Schwitzen.




18:00
Ansto&amp;szlig; Brasilien - Australien
Fast 50 Leute hatten sich jetzt versammelt. Selbst von au&amp;szlig;en waren sie gekommen, hatten sich bis hier durchgeschlagen. Ich schaute mich um. Zum Gl&amp;uuml;ck war Thorsten Schaar von den 11Freunden noch da und machte eifrig Fotos. Er sagte sp&amp;auml;ter zu mir, dass ihm dies hier eindrucksvoll vor Augen gef&amp;uuml;hrt habe, was denn der Sinn der Wohnzimmer WM sei. Und er hatte recht. In bisher noch nicht erlebter Form war hier unser Konzept aufgegangen. Sicherlich die H&amp;auml;lfte aller Bewohner des Innehofs hatte  hier zusammengefunden, dicht gedr&amp;auml;ngt auf den M&amp;ouml;beln und den improvisierten Traversen und diskutierte in den Pausen &amp;uuml;ber Fu&amp;szlig;ball oder Nachbarschaftsthemen. Ein Mitarbeiter des angrenzenden Kubasta, das uns das hier erm&amp;ouml;glicht hatte, brachte Knabberzeug, das wir mal wieder vergessen hatten. Alles war gut. Zu gut?

18:45
Die Brasilianer wieder mit einer schwachen Vorstellung. Ronaldo etwas verbessert, aber immer noch ohne Wirkung. Die Australier hielten gut dagegen. Ich w&amp;uuml;nschte mir ja so ihren Sieg und war damit nicht allein. Sie konzentrierten sich allerdings zu sehr auf die eigene Defensive, ohne selbst f&amp;uuml;r Gefahr nach vorne zu sorgen.

19:05
Es kam wie es kommen musste. Gute Kombination zwischen Ronaldinho, Ronaldo und Adriano, der schlie&amp;szlig;lich mit einem trockenen Linksschuss vollendete.
Der Favorit in F&amp;uuml;hrung. Nur die Brasilianerin im Sessel ganz vorne jubelte, sonst war es still. Die Sympathien waren hier ganz eindeutig verteilt.

19:10
Die F&amp;uuml;hrung gab den Brasilianern keinerlei Sicherheit. im Gegenteil: die Australier hatten die Riesenchancen.
Kewell steht nach Dida-Fehler allein vor dem Tor und semmelt dr&amp;uuml;ber. Ein Aufschrei des Entsetzens f&amp;uuml;llt die Burg.

19:45
Australien hatte alles gegeben und vor allem vergeben. Kurz vor Schluss kam der in der Wahl seines K&amp;uuml;nstlernamens etwas ungl&amp;uuml;ckliche Fred bei den Brasilianern aufs Feld, um das Spiel in der 90. Minute zu entscheiden. Schade aber auch.

In etwas gedr&amp;uuml;ckter Stimmung l&amp;ouml;ste sich unsere Traube auf. Die erhoffte &amp;Uuml;berraschung war ausgeblieben. Auch Thorsten verabschiedete sich. Er w&amp;uuml;rde einen netten Artikel schreiben. Und Hamburg1? Ach ja, die hatte ich ganz vergessen. Sie hatten sich schon vor dem Ansturm verabschiedet. Wahrscheinlich hat sich da ein schiefes Bild ergeben. Kann man nichts machen.

21:00
Ansto&amp;szlig; Frankreich - S&amp;uuml;dkorea
Das Wohnzimmer immer noch gut gef&amp;uuml;llt. Das Spiel ist nur unterhaltend in dem Sinne, dass es dazu einl&amp;auml;dt, sich eher mit dem Nebenmann bzw. mit der Nebenfrau zu besch&amp;auml;ftigen, als mit dem Spiel. Die Franzosen spielen ein akzeptable erste H&amp;auml;lfte, f&amp;uuml;hren 1:0, fallen dann aber ab und bekommen verdient den Ausgleich. Jetzt droht wieder das Aus wie 2002. Wenigstens haben sie mal ein Tor geschossen. Kleiner Vorteil im n&amp;auml;chsten Spiel: Zidane ist gelbgesperrt. Nichts gegen die Lebensleistung dieses Ausnahmespielers, aber die Ausrichtung auf ihn macht das franz&amp;ouml;sische Spiel pomadisch und unflexibel, irgendwie ausrechenbar. Die Mannschaft wirkt satt, ein Umbruch nach den gro&amp;szlig;en Erfolgen hat nicht stattgefunden. Ein gro&amp;szlig;er Fehler. Frankreich braucht junge, motivierte Leute. Die schmoren vermutlich zu Hause vor dem Fernseher. Dieses Ensemble hier hat seinen Zenit &amp;uuml;berschritten.

Wir allerdings haben ihn hier in St. Goerg erreicht. N&amp;auml;chste Woche in Kirchdorf-S&amp;uuml;d weht sicherlich wieder ein anderer Wind. Warten wir es ab.

Bis zum n&amp;auml;chsten Mal,

Peter Sch&amp;uuml;tz</description>
      <dc:publisher>typolis: Wohnzimmer WM</dc:publisher>
      <dc:creator>peter folk</dc:creator>
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      <dc:rights>Copyright &#169; 2006 peter folk</dc:rights>
      <dc:date>2006-06-24T09:45:37Z</dc:date>
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      <title>Was sagen andere - Presse</title> 
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      <description>Yahoo! Sport

Das Viertelfinale zieht sich, Peter und die anderen schauen gelangweilt und ein wenig entt&amp;auml;uscht auf den Fernseher, in dem sich die H&amp;auml;user rundherum spiegeln. Gegen diese Einsch&amp;auml;tzung w&amp;uuml;rden sie sich sicher wehren, dass sie entt&amp;auml;uscht seien, aber dabei macht gerade das sie und ihr Projekt sympathisch und richtig: Dass die in Medienagentursprache formulierten kommunikationstheoretischen Erwartungen zugunsten der Realit&amp;auml;t von Hochhaussiedlungen zur&amp;uuml;ckschraubt werden und irgendwie immer auch eine Art Scheitern da ist. So wird aus der Wohnzimmer-WM eine ehrliche Idee, eine Art Anti-Puma-Veranstaltung. ... zum ganzen Artikel von Lars Weisbrod


Hamburger Abendblatt

Die Welt zu Gast bei Freunden: Wo sonst sitzen Zuschauer aus aller Welt gemeinsam vor dem Fernseher - vor ihrer eigenen Haust&amp;uuml;r? Auf dem Sofa toben Kinder aus Afghanistan, der T&amp;uuml;rkei und Ex-Jugoslawien. Eine italienische Mama kommt im Trikot, ein Montenegriner feuert seinen Torwart an. Gelebte Fu&amp;szlig;ball-Kultur, gelebte Integration. Im Gelsenkirchner Barock, ganz zwanglos. Wo gab&apos;s denn das zuletzt. ... zum ganzen Artikel von Maike Schiller


Tagesspiegel

500 000 Menschen zieht es auf die Berliner Fanmeile, wenn Deutschland spielt. Bei der Wohnzimmer-WM in Hamburg sind es hingegen manchmal nur 80 Zuschauer. Aber das Gegenmodell zum ?Public Viewing? bringt die Nachbarschaft zusammen. Pl&amp;ouml;tzlich diskutieren Hausbewohner, die sich vorher nur von den Klingelschildern kannten, gemeinsam &amp;uuml;ber Panini-Bildchen und Ronaldos Problemzonen.
 ... zum ganzen Artikel von Thorsten Schaar


Au&amp;szlig;erdem im Netz

Fotos von der Wohnzimmer WM an den Orten, an denen Sie aufgenommen wurden. Wer seine Fotos hier auch zeigen m&amp;ouml;chte, bekommt eine kleine Anleitung unter mikk(at)sumaato.net.

... zum Artikel bei Bolzen-Online

... zum Artikel bei Spiegel-Online</description>
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      <dc:creator>miro (mailto:&amp;#109;&amp;#46;&amp;#107;&amp;#117;&amp;#98;&amp;#101;&amp;#105;&amp;#110;&amp;#64;&amp;#103;&amp;#109;&amp;#120;&amp;#46;&amp;#100;&amp;#101;)</dc:creator>
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